Die fünf Musiker dieser norwegischen Gruppe sind geprägt von der gemeinsamen Studienzeit in Trondheim, einem der wichtigsten Zentren des skandinavischen Jazz. Die „Jazzlinja“ verfügt über ein gewaltiges Potential talentierter Nachwuchsmusiker, was nicht zuletzt auf die vorbildliche norwegische Musikausbildung in allen Altersgruppen zurückgeführt werden kann. Das ehemals durch Seefahrt und Bergbauerntum geprägte Land hat sich durch seine Ölmilliarden in den letzten 40 Jahren zu einem modernen, vor Selbstbewusstsein sprühenden globalisierten Land gewandelt.
Jazz liebt es, seine Idiome zu pflegen.Verstreut in einem riesigen Land am Rande der bewohnbaren Welt lebend, spricht jeder in der Gruppe seinen eigenen Dialekt und pflegt ihn. Diese Bodenständigkeit gepaart mit ungebrochener Lust zur Modernität macht den Charme der Gruppe aus.
Folgerichtig schöpfen die Musiker aus dem Vollen: Monk Ease ist eine Referenz an den großen Neuerer des Jazz Thelonious Monk. Treibender Rhythmus, lautmalerische Improvisationen, perlende Pianosequenzen wechseln sich mit fein abgestimmten Passagen von Atle Nymo am Tenorsaxophon und Eivind Lønning an der Trompete ab.Der humorvolle und sehr musikalisch aufspielende Schlagzeuger Håkon Mjåseth-Johansen liebt die sanfteren Töne und brilliert nicht nur am Besen. Komponist und Bandleader Ole Morten Vågan hält mit seinem kräftigen melodiösen Bass in Mingus'scher Manier die Fäden im Hintergrund zusammen. Gewiss, das ist keine leichte Kost für die weniger Erfahrenen unter den gut 70 Besucherinnen und Besuchern. Sie erleben jedoch immer wieder leisere Passsagen, in denen sie ihre Seele baumeln lassen können. Bei Lines for Swines zeigt sich die Gruppe vom Geist des legendären Free-Jazz-Quartetts von Ornette Coleman und Don Cherry beseelt. Leichtigkeit geperlt mit Virtuosität bestimmt das Spiel. Eivind Lønning schwelgt in seinem sattem, groovendem Sound und nimmt gekonnt die Bälle des nicht minder inspiriert aufspielenden Saxophonisten Atle Nymo auf.
So findet der geneigte Hörer in jedem Stück Elemente der modernen Jazzgeschichte – erzählt in der Sprache der Gegenwart. Klischees jedoch vermeiden die als Young Nordic Jazz Lions ausgezeichneten Musiker, indem sie in munterer Folge das Klangbild verändern. Dass alles im Fluss bleibt, erfordert konzentriertes gegenseitiges Zuhören, intuitives Verständnis und Teamgeist. Hier liegen die Stärken der Band: Ihre Vitalität ist mit Humor gepaart und oft strahlen sie vor Freude über eine gelungene Idee oder das Zusammenspiel in der von Improvisationen geprägten Musik.

