Freitag, 10. Dezember 2010

Nils Landgren und Vladylsav Sendecki im Duo bei JFK-Syke


Samstag, 10.Februar 2011, 20:00 Uhr – Konzertsaal der Kreissparkasse Syke

Duo Nils Landgren / Vladyslav Sendecki


Lange schon arbeiten die beiden Jazzstars in der NDR Bigband miteinander. Umso erfreuter war der der Vorstand von JFK Syke, als er eine Zusage für ein Duokonzert der beiden gefragten Solisten bekam. Zwei seelenverwandte Jazzer, beide mit Wurzeln in der klassischen Musik und mit einem ausgeprägten Gespür für die musikalischen Traditionen ihrer Heimatländer, treffen als Duopartner aufeinander.  



Mr Redhorn: Nils Landgren


Das rote Horn gilt schon lange als sein Markenzeichen. Der schwedische Jazzer gilt als einer der vielseitigsten Posaunisten Europas. Ursprünglich wollte studierte er klassische Musik – bis Begegnungen mit dem Folk-Jazz Pionier Bengt-Arne Wallin und Posaunisten Eje Thelin ihn in Richtung improvisierter Musik lenkten. Stationen als Leadpoasaunist bei Thad Jones oder der NDR Bigband, als Duopartner von Esbjörn Svensson, als Kopf seiner fesselnd groovenden „Funk Unit“ oder langjähriger künstlerischer Leiter der Berliner Jazztage belegen seine herausragende Rolle im europäischen Jazz.

„Seit jenen Tagen hat Nils Landgren meist alles gleichzeitig gemacht: Jazz und Rock, Soul und HipHop, Big Band Sessions und nach eigener Schätzung mindestens 500 Platten, unter anderem mit internationalen Stars wie ABBA, den Crusaders, Bernard ‚Pretty’ Purdie, Eddie Harris, Wyclef Jean oder Herbie Hancock.“ schreibt das deutsche Jazzlabel ACT in seiner Künsterbiografie. 



So urteilt die SZ über Vladyslav Sendecki: 

Süddeutsche Zeitung (DE)
5. Juni 2010
Oliver Hochkeppel

Meister des Sentiments
Jazzpianist Vladislav Sendecki in der Unterfahrt

Die kahle Stelle auf seinem Haupt hat schon die Größe einer Mönchstonsur. Und angesichts der Haare, die ihm von dort bis zum Ellbogen fallen, könnte man tatsächlich an ein Gelübde denken. Sammlung, Läuterung, Besinnung – das sind außerdem wichtige Themen in der Karriere des aus der Nähe von Krakau stammenden Jazzpianisten Vladislav Sendecki. Es hat lange gedauert, bis man ihn so erleben konnte wie nun in der Unterfahrt: Als einen der kraft- und phantasievollsten Solo-Pianisten unserer Zeit. 
Dabei hatte er vergleichsweise einen Traumstart nach seiner Emigration aus Polen 1981. Schnell spielte sich der Mann mit der dank klassischer Ausbildung blendenden Technik und dem Sinn für das Wesen des Jazz an die Seite der US-Stars. Doch er blieb da ein „musicians’ musician“, ein Sideman, eben kein Herr seines eigenen Geschicks. Und so wuchs seine Unzufriedenheit, das Gefühl, „Spielball der Dämonen“ zu sein. Er zog sich lange zurück, ehe er Ende der Neunziger in Hamburg einen Neuanfang unternahm. Wie man in der Unterfahrt hören konnte, ist er jetzt ganz bei sich angekommen. Wie kein anderer aktueller Pianist zwingt er einen vom Blues bis zu postmodernen, modalen Improvisationsexplosionen reichenden Jazz in klassische Formen, reißt er die ohnehin künstliche Barriere zwischen Klassik und Jazz ein.  Hört man seine als „Toys Corner“ gesammelten Miniaturen – Kinderlieder für Erwachsene, die er schon vor vielen Jahren zu komponieren begann –, so denkt man unwillkürlich: Da ist der lange vermisste Nachfahre von Schumann, Debussy oder Grieg, der heutige Meister der kleinen Form, der auch die Musikgeschichte der „zweiten Klassik“ (des Jazz) subsumiert hat. Und auch bei opulenteren Stücken wie dem zwanzigminütigen Einstieg erweist sich Sendecki als Meister des Sentiments, der mit virtuosen Melodie-, Klangfarben- und Rhythmuswechseln Emotionen erregt. Wie auch in seiner Adaption eines traditionellen polnischen Wiegenlieds, das schon Chopin als Vorlage diente – dem anderen Emigranten und Pianisten, mit dem man Sendecki jetzt durchaus vergleichen darf.