Die Kreiszeitung am 8.11,2010:Deutsch-Rock-Legende Wolf Maahn bringt Theater zum Kochen – und lobt: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem wird“
Songs, die Syker aus den Sesseln reißenUm eines gleich klarzustellen: Dieser Mann weiß noch immer, wie man rockt. Auch nach über drei Jahrzehnten Bühnenpräsenz versteht es Wolf Maahn, sein Publikum zu begeistern, zum Tanzen zu bringen – und im Syker Fall aus den Sesseln zu reißen. „Wir haben lange überlegt, in welcher Stadt man ein bestuhltes Rockkonzert spielen könnte. Da Hamburg und Berlin nicht in Frage kamen, blieb dafür eigentlich nur Syke“, scherzte der Musiker auf der Bühne. Spätestens beim Klassiker „Fieber“ hatte sich das mit dem Sitzen allerdings endgültig erledigt. „Macht euch auf euren gepolsterten Plätzen bereit – jetzt kommt ein Energiestoß“, hatte Maahn zuvor noch gewarnt.Syke - SYKE · Ein Rockkonzert in einem bestuhlten Saal – das lässt auf den ersten Blick vieles vermuten, nur keine gute Stimmung. Dass es durchaus anders kommen kann, bewies Deutsch-Rock-Legende Wolf Maahn, der mit seinem neuen Album „Vereinigte Staaten“ und alten Evergreens das Syker Theater zum Kochen brachte.
Gemeinsam mit seiner Band, bestehend aus Roger Schaffrath (Lead-Gitarre), Christoph Kähler (Drums), Oliver Jäger (Piano) und Volker Vaessen (Bass), hatte Maahn das „Rock-Niveau“ des Abends vom ersten Song an hoch gehängt. Wahlweise mit Akustik- oder rot-weißer E-Gitarre präsentierte er Lieder seines jüngsten Albums. Der stark gitarrenlastige Sound in Stücken wie „Unter einem großen Himmel“ oder „Nonstop Superflat Popup Internetshow“ begeisterte die rund 300 Zuhörer ebenso wie die Balladen „Vereinigte Staaten“ und „Am heutigen Morgen“. Was nahezu jedes Stück zu einem musikalischen Highlight werden ließ, waren die immer wieder eingestreuten Instrumentalpassagen, für die es nicht selten langen und lautstarken Szenenapplaus gab.
Maahn, der 2006 schon einmal in Syke aufgetreten war, fühlte sich in der Hachestadt sichtlich wohl. „Endlich ist meine Zeit der Syke-Abstinenz vorbei“, verkündete der Sänger, der während seines Auftritts ohnehin Entertainer-Qualitäten bewies: „Ich mag das wirklich sehr, wenn ihr euch gehen lasst. Aber ich brauche es manchmal auch etwas ruhiger – bin ja schon älter als 30.“
Nach der 15-minütigen Pause (Maahn: „Wir haben gehört, das ist in Syke so üblich“) wollte das Publikum von Ruhe allerdings nichts mehr wissen – und ließ deshalb die Sitzbänke gleich hochgeklappt.
Einer der Höhepunkte des Abends war dann die Bremen-Hymne „Rosen im Asphalt“, mit der Maahn in den 1980er Jahren einen seiner größten Erfolge gefeiert hatte – und bei der sich auch der letzte Gast im Theatersaal als überraschend textsicher entpuppte. Als sich Sänger und Band bereits von der Bühne verabschiedet hatten, forderten die Syker Zugabe – und zwar eine ganz bestimmte. Minutenlange „Absolut, direkt ins Blut“-Sprechchöre sorgten schließlich dafür, dass Maahn und Musiker zurückkehrten und den gewünschten Klassiker ablieferten. Zum Abschluss wurde aus „Irgendwo in Deutschland“ sogar „Irgendwo in Syke“ und das Publikum entließ Maahn mit tosendem Applaus. Der Musiker, selbst sichtlich zufrieden mit dem Abend, gab das Lob prompt zurück: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem wird.“ Daniel Cottäus
08.11.2010 / Weser Kurier
Wolf Maahn rockt das Syker TheaterSyke. Was mag einen Künstler, der 25 Jahre erfolgreich im Geschäft ist, noch motivieren, wenn er vor 400 Besuchern spielt? Vermutlich hatte es sich Wolf Maahn bei seinem Konzert in Syke zum Ziel gesetzt, das Publikum aus den für ein Rockkonzert eher unüblichen gepolsterten Sesseln des Syker Theaters zu locken. 'Wir starten hier heute ein Pilotprojekt für bestuhlte Säle unter dem Motto ?Rocke Deine Stadt? und welcher Ort ist dafür besser geeignet als Syke?', schmunzelte Maahn.
Das Ergebnis nach mehr als zwei Stunden Feldstudie war voll überzeugend. Die Syker gingen mit und verfolgten Teile des Konzerts und die letzten 20 Minuten komplett singend und stehend. Und wenn es keine Klappsessel gewesen wären, hätte das Publikum wohl auch noch auf den Stühlen gestanden. Kurz gesagt: Der Maahnsinn hatte Einzug gehalten und ein großes 'Chapeau' dafür geht nicht nur an den 55-Jährigen Rocker sondern auch an die Kulturinitiative Jazz, Folk, Klassik (JFK), die Maahn nach vier Jahren wieder einmal an die Hache geholt und wieder einmal einen Volltreffer gelandet hatte.
Damals hatte er mit einem Soloprogramm die 'heiligen Hallen der Kreissparkasse' (O-Ton Maahn) gerockt; diesmal hatte er seine vierköpfige Band mit Drums, zwei weiteren Gitarren und Keyboards mitgebracht und JFK hatte das Theater für ihn gebucht.
Eine handvoll Besucher hatte sich von Beginn an gar nicht setzen wollen und die anderen standen nach einer Dreiviertelstunde erstmals auf. 'Ihr müsst Euch jetzt erst mal ausruhen', hatte Maahn vor dem Stück kokettiert, ehe er mit 'Fieber' für die erste Erhitzung im Zuschauerraum sorgte. 'Wo ist die Grenze der Besonnenheit', heißt es passenderweise in diesem Song. Ein Drittel alte Songs und zwei Drittel aus dem neuen Album 'Vereinigte Staaten' intonierten die fünf Musiker. Maahn überzeugte mit einer Mischung aus rockigen und ruhigeren, aber nicht zu ruhigen Balladen. Schade nur, dass angesichts der zu laut gesteuerten Instrumentenmikrofone große Teile seiner intelligenten Texte nicht zu verstehen waren. Doch die Melodien reichten offensichtlich und die Refrains der alten Stücke kannten sowieso die meisten der Besucher. Als die Band erstmals von der Bühne gegangen waren, stimmten die Besucher 'Direkt ins Blut. Absolut' an und holten Maahn und Co. zurück. Kurz zuvor hatte der ganze Saalvon den 'Rosen im Asphalt' gesungen und auch 'Irgendwo in Deutschland' ging allen leicht von den Lippen.
Am Ende strahlten nicht nur die Fans und Konzertveranstalter, sondern auch der sympathische Maahn ('Wenn ich zu viel Stuss erzähle, sagt Bescheid') war spürbar zufrieden, vielleicht sogar etwas berührt, sofern sich das für einen Rockstar ziemt. Und ein Rockstar ist Maahn trotz seines Alters. Ganz in Schwarz gekleidet mit breitem schwarzen Stirnband, das seine langen Locken bändigte, in Jeans und mit Kette spielte er mal die rotweiße E-Gitarre und mal die Akustikgitarre. Selten saß er, mal tanzte er einbeinig mit wie Jerry Lee Lewis und natürlich rief er den Sykern zu: 'Sex up your life': Das gehörte wohl zum Pilotprojekt und tatsächlich vibrierte von den Bässen des Drumsets der Boden und den Besuchern Mark und Bein.

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